Hallo, Diese Woche war ich abends mit Enzo unterwegs. Wir bogen gerade um eine Ecke, und da stand jemand mit seinem Hund. Der Hund ging ohne Vorwarnung auf Enzo los. Enzo machte genau das, was ich ihm irgendwann beigebracht habe: Er drehte ab und ging sofort auf Abstand. Passiert ist nichts, aber der Schreck saß allen in den Knochen. Der Besitzer des anderen Hundes fing an zu schreien. Vielleicht stand er schon unter Strom, bevor er um die Ecke kam; ich weiß es nicht und habe auch nicht nachgefragt. Ich machte, was Enzo mir gerade vorgemacht hatte: einen großen Bogen, und einen anderen Weg nach Hause. Auf dem Heimweg dachte ich: So etwas kann jedem passieren, und gerade in so einem unerwarteten Moment zeigt sich, wie es um die emotionale Balance steht. 
Ruhig bleiben, wenn man nichts kommen sieht Emotionale Intelligenz zeigt sich selten an einem ruhigen Dienstagnachmittag. Sie zeigt sich in den Momenten, die dich überrumpeln: ein Hund hinter der Ecke, jemand, der dich im Verkehr schneidet, eine Nachricht, die dich mitten in einem vollen Tag trifft. Der Teil deines Gehirns, der den ersten Impuls bremst, ist erst mit etwa 25 ganz ausgereift. Und auch danach funktioniert er schlecht, sobald dein Körper schon unter Stress steht. In so einem Moment ist dein Körper schon im Alarmmodus, bevor dein Kopf etwas entscheiden konnte. Dein Herz schlägt schneller, du atmest schnell und flach. Von diesem ganzen Alarmsystem ist deine Atmung der einzige Teil, den du selbst steuern kannst. Bei jedem Ausatmen wird dein Herzschlag ein kleines bisschen langsamer; dafür sorgt ein Nerv, der deinen Körper in den Ruhemodus bringt. Wer länger aus- als einatmet, gibt dieser Bremse bei jedem Atemzug etwas mehr Zeit. Forscher der Stanford-Universität ließen Menschen 28 Tage lang jeden Tag 5 Minuten atmen, mit dem Schwerpunkt auf einem langen Ausatmen. Ihre Stimmung verbesserte sich stärker als in einer Gruppe, die in derselben Zeit meditierte. Je öfter du diese Ruhe an einem ganz normalen Tag übst, desto leichter findest du sie in einem unerwarteten Moment. Mach das heute: dreimal ausatmen Merkst du, dass dich etwas überrumpelt, eine Nachricht, eine Bemerkung, jemand, der dich im Verkehr nicht einfädeln lässt? Atme, bevor du reagierst, dreimal langsam aus, länger als du einatmest. Das dauert eine halbe Minute, und niemand merkt es. |
 DEIN GESCHENK DIESE WOCHE Atemmusik: 20 Minuten, 111 Atemzüge Damit du diese Ruhe jeden Tag üben kannst, habe ich etwas gemacht, das du dir gönnen darfst: zwanzig Minuten Musik mit einem Licht, das mit dir atmet. Wird das Licht größer und golden, atmest du durch die Nase ein. Wird es kleiner und kühler, atmest du langsam aus. Hörst du eine Welle rauschen, atmest du aus. So geht es auch mit geschlossenen Augen. Das Tempo wird von selbst etwas langsamer, und dein Ausatmen ist immer länger als dein Einatmen. Aus dieser Ruhe heraus schaust du danach anders auf deinen Tag, auf dich selbst und auf die Menschen um dich herum. Warum zwanzig Minuten? Das habe ich von Lidewij Hoorntje. Sie ist Chirurgin und begleitet nebenbei Menschen mit Breathwork. Beim doTERRA-Nederlanddag im niederländischen Bussum hat sie diesen Monat von einer Studie aus Harvard erzählt. Anfänger übten acht Wochen lang jeden Tag zwanzig Minuten eine Entspannungsübung, bei der sie mit der Aufmerksamkeit beim Atem blieben. Damit lösten sie aus, was Forscher die Entspannungsreaktion nennen, auf Englisch „Relaxation Response“: das Gegenstück zur Stressreaktion. Unter Stress gibt dein Körper Gas. Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an, alles steht in Habachtstellung. Bei der Entspannungsreaktion schaltet er zurück auf Ruhe und Erholung. Danach haben sich die Forscher das Blut der Teilnehmenden angesehen, bis hinunter zu ihren Genen. Deine Gene werden den ganzen Tag über abgelesen, manche mehr, manche weniger. Nach der Übung waren die Gene aktiver, die deine Mitochondrien steuern, die Kraftwerke in deinen Zellen. Die Gene, die mit Entzündungen und der Stressreaktion zu tun haben, wurden dagegen seltener abgelesen. Das ließ sich schon nach einer einzigen Sitzung messen, und bei Menschen, die seit Jahren üben, war der Effekt am stärksten. Ich habe dir alles auf einer Karte zusammengestellt: den Rhythmus, was die Studien gezeigt haben, und eine Übung für den Moment, in dem es plötzlich brenzlig wird. Druck sie aus und nimm sie mit zur Arbeit, oder leg dir die Webseite auf den Home-Bildschirm deines Handys. Dann hast du alles immer griffbereit. Auf der Rückseite suchst du dir einen Duftanker aus, den du bei deiner Atemübung verwendest. So trainierst du auch dein Nervensystem: Nach einer Weile bringt dich schon der Duft oft innerhalb weniger Sekunden zurück in diese Ruhe. Deine Atemkarte öffnen → |
Let's go! Tanja |